spark art fair vienna 2025
Stefan Glettler
21. – 23. März 2025
Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien
Stand B18
Glettlers Sprengung
Was ist ein klassisches Bild? Was sein Format? Wo fängt es an, wo hört es auf? Eine ewige Frage, eine radikale Frage, die aber subtil angegangen werden kann. Genau dies tut Stefan Glettler (*1980, lebt und arbeitet in Graz und Wien) mit seinen Arbeiten.
Erinnern wir uns an die Augen (eyes on, 2021; dazzling 2023; etc): Es ist dieses bemerkenswerte Energiefeld – ja gelegentlich Spannungsfeld – das uns anzieht: Einerseits Freifläche und Größe gegen andererseits Festigkeit und Stabilität im Detail der konsequent gesetzten Muster. Einerseits Leichtigkeit und Hingeworfensein gegen andererseits die klare Sichtbarkeit von konzentrierter Ausarbeitung. Eine Entdeckungsreise in diesem Energie- und Spannungsfeld, dorthin, wo Grenzen und Ränder der Bilder neu definiert werden, dorthin, wo in den Brennpunkten sich überlagernder Linien die Temperatur im Wettspiel der Muster derart steigt, dass ein Flirren und Schweben entsteht. Dies geschieht im Schnittbereich der Augen, wo zugleich außerhalb im freien Weiß eine dunkle „Tränenflüssigkeit“ oder „Lava“ in eigener Regie schwebt – ungebunden, vermeintlich richtungslos, losgelassen.
Denken wir an die pechschwarzen, geschnitzten Holzflügel, die wie ein Schwarm an der Wand gruppiert sind. Sie sind da, schneiden sich wie eine Linie in den Raum, werfen Schatten.
Und betrachten wir nun die spinnome, die das gewohnte Sehen in serieller Abfolge aufbrechen, wo ein Nacheinander zum Ineinander und Nebeneinander wird. Kanten zerfließen, optisches Rauschen entsteht.
Was taten alte analoge Bildschirme bei schlechtem Empfang? Sie unterbrachen das serielle Sehen, sie erzeugten verwaschenes Zerfließen. Das gelingt auch den spinnomen, doch sie zerschneiden nicht nur das Sehband, sie stellen sich überdies einer zweiten ewigen Frage – der Dualität von Farbe und Form.
Hier fokussieren die spinnome auf den Ort der Farbe in der Form, im Muster, und besetzen es dabei verschieden stark, vom starken Schwarz an Spitzen und Rändern bis hin zu weichen Farbfeldern, die so weit ausfließen, dass sie das Muster selbst werden – Farbe und Form tauschen Platz oder werden gar eins. Die Sprengung ist erfolgt, der Übergang zum nächsten spinnom offen.
Auch Glettlers berührbare – ja tanzbare – Werke, die Dancer, flirren und schwingen im Raum – zärtlich, kraftvoll, missmutig oder beherzt – wie ihr menschliches Gegenüber, so sind da. Den vielerorts flirrenden Dancern – zuletzt 2022 im Wiener Volkstheater – traten als Geschwister in anderer Dimension erst die Flügel und die Augen zur Seite, nun neuerdings die spinnome. Allen Geschwistern wünsche ich daher ein großes Publikum und große Sprengkraft. Somit erneut mein Appell: Kauft euch große Wohnungen mit großen Wänden für diese großen Bilder!
Text: Frank Ruf / Fotos: Thomas Ries
Fotos: kunst-dokumentation.com