from structure to surface

Linda Ebert (NOR/DE) 
David Reumüller (AT) 
Gunther Skreiner (AT/PT) 
Esther Stocker (IT/AT) 

Eröffnung: 21. Oktober 2021 , 19:00 Uhr 
Galerie GRILL, Bürgergasse 5, 8010 Graz

Die Ausstellung wird von Katrin Bucher Trantow, Kunsthaus Graz, eröffnet.

Dauer der Ausstellung: 22. Oktober – 27. November 2021

 

Wo beginnt der Eindruck von Raum?

Struktur und Systeme prägen vielfach die grafische Kunst seit den 1960er Jahren. Es wurden individuelle grafische Prinzipien entwickelt, welche die Kompositionen von Werkzyklen bestimmten. Diese Methodiken werden bis in die Gegenwart angewandt, jedoch immer wieder neu interpretiert: Durch die Wiederholung von Elementen entstehen Strukturen und Muster, in deren Spannungsfeld reduziert-minimalistisch Flächen, oder auch Räume geöffnet werden.

In der ersten thematischen Ausstellung der Galerie Grill wird ein Bogen zwischen frühen Werken dieser Arbeitsweise und gegenwärtigen Positionen gespannt: Zwei Werke von Gunther Skreiner (AT/PT) aus dem Jahr 1979 sind Referenz und Kontrast zugleich für Arbeiten von Esther Stocker, (IT/AT), David Reumüller (AT) und Linda Ebert (NOR/DE).

Galerie GRILL, Gunther Skreiner

Gunther Skreiners präsentierte Werke bestehen aus einem System eindeutiger Zeichen ( | – / \ ), welche, als schwarze Linien auf weißem Grund angeordnet, den Bildaufbau greifbar machen. Aus dem scheinbaren Chaos offenbart sich dem Auge bei längerer Betrachtung immer mehr von der Ordnung und geometrischen, zweidimensionalen Struktur, welche Skreiners Kompositions- und Zeichensysteme charakterisieren. Die beiden Werke greifen späteren „Durchführungen“ des Prinzips vor, und machen das Prinzip der Systematik sichtbar.

Filigrane grafische Elemente bilden bei David Reumüllers Werken Texturen, welche an einen Wireframe (Gitternetz) erinnern. Sie lösen sich von der Zweidimensionalität der Fläche und eröffnen Raum: Ob sie Oberflächen von verhüllten Objekten oder Körpern, Oberflächenstrukturen von Landschaften oder doch etwas ganz anderes darstellen, hängt von der kulturellen Konnotation ab. Die Werke erhalten durch individuelle Deutungen eine obskure Bedeutungsebene, welche über Form und Ästhetik hinausgeht und einen weiteren Abstraktionsgrad hinzufügt. 

Esther Stocker

Einen Komplementärkontrast zu David Reumüllers Arbeiten scheinen die „Knitterskulpturen“ von Esther Stocker zu bilden: Klare geometrische Gitterlinien lösen sich nicht von der Bildfläche, aber erzeugen trotzdem Dreidimensionalität, da die Bildebene als Plastik aufgefasst, zusammengeknüllt und dadurch zu einem Objekt wird. Die „Knitterplaneten“ sind nicht nur surreale Skulpturen, sondern auch zum Sitzen gedachte Designobjekte.

Linda Ebert geht mit einer ähnlichen grafischen Formensprache von Linien und Quadraten einen konträren Weg und konstruiert reduzierte Räume und räumliche Strukturen in ihren zweidimensionalen Bildern. Von der Nicht-Farbe Schwarz ausgehend, welche auf die Unendlichkeit des Universums ebenso wie auf das Nichts verweist, erzeugt Ebert räumliche Illusionen durch Raster, und macht dadurch die Wirkung und Beziehung von Raum und Fläche sichtbar.

Die Gegenüberstellung der durchgehend schwarz/weiß gehaltenen Arbeiten der vier Künstler:innen, die Fläche und Raum in individuellen, reduzierten Formensprachen konstruieren, sind der Ausgangspunkt für Vergleiche, Diskussionen, und letztendlich auch Herausforderung für die räumliche Vorstellungskraft der Betrachter:innen.

Text: Leonhard Rabensteiner 

Links:
Linda Ebert
David Reumüller
Gunther Skreiner
Esther Stocker

Fotocredits:
Gunther Skreiner: Galerie GRILL
David Reumüller: David Reumüller
Esther Stocker: Markus Gradwohl
Linda Ebert: Esteban Pérez  

 Galerienförderung der Stadt Graz