The Return of the American Dream

The Return of the American Dream

Eine künstlerische Intervention von und mit Georg Dinstl, Joachim J. Vötter und Josef Wurm.

Freitag, 13. November 2026, 18:00 Uhr
Galerie Grill, Bürgergasse 5, 8010 Graz

The Return of the American Dream
Look how civilized we were 30,000 years ago

Eine Frau schläft ein. Ein Bild wird geboren. Die Zivilisation beginnt, sich selbst infrage zu stellen. Und als die Frau erwacht und verschwindet, bleibt dem Künstler nichts anderes übrig, als den Traum neu zusammenzusetzen.
 
Und am Anfang war der Zufall.
Im Jahr 2023 saß ich auf einer Fähre von Split zur kroatischen Insel Hvar neben einer amerikanischen Familie, deren lebhafte Präsenz kaum zu übersehen war und alles um sich herum vereinnahmte. Irgendwann schlief die Mutter unmittelbar neben mir ein. In diesem Moment entstand in meinem Kopf, wie aus dem Nichts, ein Bild und mit ihm ein Gedanke:

Der amerikanische Traum kehrt heim nach Europa.
Ich machte zwei Fotografien. Der Impuls war spontan, beinahe verstohlen, denn mir war durchaus bewusst, dass ich hier in einen privaten Augenblick eindrang, aber das Bild war einfach zu stark. Dieses Foto verfolgt mich seither, auch und speziell in diesen Tagen, aufgrund der uns zunehmend spaltenden Amerika-Politik in all seinen globalen Konsequenzen, im selben Maß die europäische Gesellschaft spaltend wie die Diskussionen über KI, die „Künstliche Intelligenz“. Es sind die großen Themen unserer Tage.
Der American Dream, der nach dem Zweiten Weltkrieg Europa nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern vor allem auch kulturell entscheidend geprägt hat, scheint sich in einem tiefgreifenden Wandel zu befinden. Gleichzeitig verändern neue Technologien, insbesondere die sogenannte Künstliche Intelligenz, unsere Vorstellungen von Wirklichkeit, Identität, Kreativität und menschlichem Fortschritt. In diesen Debatten ist immer wieder von einem „New Barbarism“ die Rede. Auch die Redewendung „Back to the Cave“ wird gerne bemüht, als wäre die Höhle der Inbegriff einer unzivilisierten Vergangenheit. Doch wie zivilisiert waren wir eigentlich vor 30.000 Jahren?

Wer die außergewöhnlichen Höhlenmalereien von Chauvet in Frankreich betrachtet, deren künstlerische Ausdruckskraft bis heute verblüfft, wird mit einer bemerkenswerten Umkehrung unserer vertrauten Vorstellungen von Fortschritt und Rückschritt konfrontiert. Nicht ohne Grund werden diese prähistorischen Bildwelten gelegentlich als die „Sixtinische Kapelle der Vorgeschichte“ bezeichnet.

Genau hier setzt die künstlerische Intervention THE RETURN OF THE AMERICAN DREAM an. Mit Ironie, einem gewissen Augenzwinkern und durchaus ernst gemeinten Fragen verbindet sie unterschiedliche Bildwelten: die kulturellen Versprechen des amerikanischen Traums, die Ikonografie der Rock- und Popmusik, die medialen Konstruktionen von Schönheit, die Möglichkeiten künstlich erzeugter Bilder und die verblüffende Modernität prähistorischer Kunst. Es geht nicht darum, eine eindeutige Antwort zu geben, sondern vertraute Vorstellungen von Zivilisation, Fortschritt und Wirklichkeit gegeneinander zu verschieben.

THE RETURN OF THE AMERICAN DREAM versteht sich als künstlerische Intervention zwischen persönlicher Erinnerung, kultureller Ikonografie und gesellschaftlicher Gegenwart. Mit Ironie und bildnerischen Gegenüberstellungen stellt sie die Frage, ob wir tatsächlich immer zivilisierter werden — oder ob wir auf unserem Weg in die Zukunft bisweilen vergessen, wie viel wir von unserer Vergangenheit noch zu lernen hätten.